Teil 2
Montag, 14.08.2017 Seetag
Heute ist das gestrige Wetterglück aufgebraucht. Wir haben 3-5 Grad, den ganzen Tag dichten Nebel und gegen Abend auch noch Regen. Ein Tag für Aktivitäten in den Innenräumen. Nach dem Frühstück gehe ich erst mal zum Sport, dann zum Vortrag des Lektors. Mittagessen, erste Postkarten schreiben, Kaffeezeit, Sauna – was man halt an einem Seetag so macht. Ich stelle fest, dass ich auf der kleinen Cara nichts vermisse. Ich brauche an Seetagen Sportkurse, einen Lektor und einen schönen Saunabereich, um glücklich zu sein. Das habe ich hier alles.
Am späten Nachmittag wird im Theater die Weltreise 2018 der AIDAaura vorgestellt. Dann Abendessen (Thema: Mediterrane Highlights) und danach noch die Show des Comedians Freddy Farzadi. Die Gastkünstler auf dieser Reise sind etwas einseitig ausgewählt: 5 Comedians mit je zwei Shows, also 10 Abende Comedy. Das ist schon ein bisschen viel.
Dienstag, 15.08.2017 Nuuk / Grönland
Heute wache ich schon um 7.10 Uhr durch Schiffsgeräusche auf. Wir liegen auf Reede vor Nuuk. Während ich frühstücke (mein Sohn schläft noch – wenn er als Erwachsener mal ohne mich auf Kreuzfahrt gehen wird, kann er immer Garantiekabine buchen – er kann bei jeglicher Geräuschkulisse schlafen), zieht dichter Nebel auf. Obwohl wir ganz nahe vor dem alten Kolonialhafen liegen, ist das Land teilweise kaum zu sehen. Also esse ich erst mal in Ruhe. Als ich gegen 8.30 Uhr zur Kabine komme, ist mein Sohn immerhin schon aufgestanden. Bis er dann auch noch gefrühstückt hat und wir endlich startklar sind, ist es schon fast halb elf: eine blöde Zeit, denn als wir zum Tenderboot wollen, geraten wir in eine große Ausflugsgruppe. Wir gehen individuell an Land und schauen uns erst einmal die typischen Sehenswürdigkeiten im alten Teil von Nuuk an: u.a. die Statue des Missionars Hans Egede, das alte Hospital (ein großes gelbes Gebäude) und die Erlöserkirche. Da es wiederneblig und dazu sehr kalt und windig wird, besuchen wir nun das Grönländische Nationalmuseum (Eintritt Erwachsene: 30 Dänische Kronen oder 5 EUR, Kinder kostenlos). Im Museum wird sehr anschaulich die frühere Lebensweise der Inuit dargestellt. Berühmt ist das Museum für die Mumien von Qilakitsoq.
Als wir nach ca. einer Stunde das Museum verlassen, hat sich das Wetter deutlich verbessert. Bei blauem Himmel und Sonnenschein erkunden wir die verschiedenen Gesichter der grönländischen Hauptstadt. Neben dem alten Kolonialviertel mit hübschen kleinen bunten Häusern gibt es auch eine moderne Stadt mit Fußgängerzone und Geschäften. Es gibt aber auch die zum Teil heruntergekommenen, wirklich schrecklichen Blocks von Plattenbauten. Es herrscht erstaunlich viel Autoverkehr.
Als sich der Nebel verzieht, erahnen wir zumindest die wunderschöne bergige Umgebung. Gegen 14.30 Uhr wird es wieder sehr windig und kalt (wir haben heute Höchsttemperaturen von 8 Grad; bei Wind fühlt es sich deutlich kühler an). Das Tendern zurück dauert über eine halbe Stunde, weil jetzt viele Leute zurück wollen und aufgrund des Windes ein stärkerer Wellengang herrscht, so dass sowohl das Anlegen am Steg an Land als auch an der AIDAcara doch etwas länger dauert.
Jetzt erst einmal Pizza zur Stärkung, eine schöne Tasse heißen Tee und dann Sauna zum Aufwärmen. Wir legen mit rund einer Stunde Verspätung ab, da noch nicht alle Ausflügler rechtzeitig zurück waren. Leider hat es sich wieder stark zugezogen, von der umliegenden Landschaft sehen wir so gut wie gar nichts, nur manchmal tauchen kleinere Felseninseln aus dem Nebel auf. Zum Abendessen stehen heute grönländische Spezialitäten auf dem Programm. Ich wusste gar nicht, dass Pommes frittes, Kartoffelgratin, Kartoffel-Artischocken-Gemüse, Hirschrückensteaks oder Entenbrust grönländisch sind. Es hat sehr gut geschmeckt, aber die Umsetzung des Themas ist doch verbesserungswürdig bzw. sollte man dieses Thema vielleicht gar nicht wählen, weil man z.B. Wal oder Robbe den Gästen nicht servieren kann bzw. darf. Tatsächlich grönländisch war heute wahrscheinlich nur eine Suppe, ggf. noch ein oder zwei Fischgerichte.
Für abends war die Show „Der Weltenwandler“ angekündigt, doch aufgrund technischer Probleme gab es stattdessen den Kinofilm „Die Schöne und das Biest“. Auch schön, aber lang. Bis wir im Bett liegen, ist es mal wieder fast Mitternacht.
Mittwoch, 16.08.2017 Seetag / Ilulissat / Grönland
Heute hat mein Sohn Geburtstag. Er wird ein Teenager, 13 Jahre alt. Gegen zwanzig vor zehn werden wir wach. Draußen herrscht dichter Nebel, wir sehen gar nichts. Irgendein Spaßvogel hat offensichtlich unser „Bitte nicht stören“-Schild geklaut, so dass wir schon Besuch vom Housekeeping bekommen, als wir noch im Schlafanzug sind. Jetzt erst einmal zum Spätaufsteherfrühstück. Danach packt mein Sohn Geschenke aus. Später bekommt er über das Housekeeping noch einen netten Geburtstagsgruß von der Rezeption sowie als Geschenk von AIDA eine Virtual Reality Brille für das Smartphone. Jetzt müssen wir Eltern ihm wohl endlich die Anschaffung eines Smartphones erlauben.
Um 12 Uhr gehe ich zum Vortrag des Lektors über Trolle. Danach wollen wir Mittagessen. Was ist denn heute los, ist eine Hungersnot ausgebrochen? Wir müssen das Calypso Restaurant einmal komplett durchlaufen, ehe wir an Tischen im Bereich der Lambada Bar endlich zwei Plätze finden – und das auch nur weil die Familie, die dort schon sitzt, ihr jüngstes Kind auf den Schoß nimmt. Bei der Kälte und dem Nebel draußen (wir haben ca. 0 – 2 Grad) sitzt niemand mehr im Außenbereich, was man drinnen doch deutlich merkt.
Nach dem Essen schauen wir hoch auf das Pooldeck zu den AIDA Welten (dort stellen sich verschiedene Tätigkeitsbereiche an Bord vor, z.B. das Housekeeping mit Handtuchtieren), aber da ist aufgrund der Kälte auch nicht viel los.
Zur Kaffeezeit habe ich eine Geburtstagstorte für meinen Sohn ins Calypso Restaurant bestellt. Wir finden gleich den schön gedeckten Tisch mit der Schokoladentorte und zum Abschluss gibt es noch ein Ständchen von den Kellnern.
Noch ein bisschen Sport, bei dem man schon die ersten Eisberge entdecken kann, dann wird es langsam Zeit, sich für den Ausflug „Bootsfahrt zu den Eisbergen“ fertig zu machen. Na Pustekuchen! Der Kapitän sagt durch, dass wir aufgrund des Nebels langsamer fahren mussten als geplant und deshalb erst gegen 18.30 Uhr Ilulissat erreichen werden. Die Teilnehmer des ersten Ausflugs (17.30 Uhr) werden ins Theater gebeten. Dort werden auch gleichzeitig Tendertickets für die Gäste ausgegeben, die heute individuell an Land gehen möchten. Den Ausflüglern verrät man zunächst nicht, was jetzt los ist. Wir sitzen im dunklen Theater, während wir an Eisbergen vorbei nach Ilulissat einlaufen und immer mehr Tendertickets abgeholt werden. Erst nach einiger Zeit wird angesagt, dass unser Ausflug komplett gestrichen wird. Es gäbe allerdings noch ein paar Restplätze für andere Zeiten. Das ist ja interessant, als ich am ersten Seetag die Umbuchung der Ausflugszeit reklamiert hatte (zur Erinnerung: wir hatten 19.30 Uhr gebucht, waren aber ohne Rücksprache auf 17.30 Uhr umgebucht worden), hieß es noch, dass es keine anderen Plätze mehr gäbe. Die Leute rennen Richtung Ausflugsschalter, es bildet sich eine Schlange. Bis wir an der Reihe sind, gibt es keine Plätze mehr. Super, jetzt haben wir das Einlaufen in Ilulissat im dunklen Theater und in der Schlange vor dem Ausflugsschalter verbracht, um am Ende doch ohne Ausflug dazustehen. Besonders ärgert mich, dass es kein Wort des Bedauerns von den AIDA-Mitarbeitern gibt. Es wird lapidar darauf verwiesen, dass wir die Ausflugskosten auf das Bordkonto erstattet bekommen, das ist alles. Bei Phoenix Reisen hatten wir letzten Sommer aufgrund einer Buspanne bei einem Ausflug eine Flasche Sekt und – für mich viel wichtiger – ein freundliches Schreiben auf die Kabine bekommen, dass Phoenix die Unannehmlichkeiten bedauert. Hier fällt ersatzlos das aus, was sicher nicht nur für uns der Höhepunkt der Reise sein sollte und es kommt noch nicht mal ein Wort des Bedauerns. In unserem Fall ist das doppelt ärgerlich, weil wir noch nicht einmal 17.30 Uhr als Ausflugszeit gebucht hatten, sondern ohne Rücksprache von AIDA darauf umgebucht worden waren. Ich weiß, dass AIDA sich bei den online gebuchten Ausflügen immer noch eine Änderung der Ausflugszeiten vorbehält. Das ist sicherlich sinnvoll bei Ausflügen, die nur ein oder zweimal am Tag stattfinden, aber doch nicht bei Bootstouren, die Tag und Nacht im 2-Stunden-Takt angeboten werden und bei denen die ursprünglich gebuchte Zeit genauso stattfindet. Die einzige Mitarbeiterin, die mitfühlend zum Ausdruck bringen wird, wie schade sie es findet, dass unser Ausflug ausgefallen ist, ist die freundliche Rezeptionistin, bei der ich die Geburtstagstorte für meinen Sohn bestellt hatte und die sich bei einem späteren Treffen daran erinnert und sich erkundigt, ob am Geburtstag meines Sohnes alles gut geklappt hat.
Es hilft nichts, wir müssen das Beste aus der Situation machen. Ich verlege unser für 20 Uhr geplantes Essen im Selection Restaurant auf 19 Uhr. Wir essen sehr lecker und in ruhiger Atmosphäre (nur zwei weitere Tische sind heute Abend besetzt) à la carte. Ich habe schottischen Räucherlachs als Vorspeise, schottische Hühnersuppe mit Backpflaumen als Suppe und Lammrücken als Hauptgericht. Auf Nachtisch verzichte ich. Mein Sohn hat ebenfalls die Hühnersuppe, Rumpsteak als Hauptgericht und englische Schichtcreme (Trifle) als Dessert. Es hat uns sehr gut geschmeckt und bei der Rechnung stelle ich erfreut fest, dass nur mein Essen berechnet wurde (14.90 EUR für ein Drei-Gänge-Menü). Ich nehme an, dass das Menü meines Sohnes aufgrund seines heutigen Geburtstags nicht berechnet wurde.
Um 21 Uhr tritt eine grönländische Folkloregruppe im Theater auf und zeigt Volkstänze, die stark an Polka o.ä. erinnern.
Danach werfen wir noch einen Blick auf die Eisberge bei Nacht, dann geht es ins Bett. Da es schon seit einigen Stunden regnet, bin ich nicht mehr ganz so betrübt, dass unser Ausflug zu den Eisbergen ausgefallen ist, da die Ausflüge in kleinen, zum Großteil völlig offenen Fischerbooten stattfinden. Tenderboote und Ausflugsboote sollen übrigens die ganze Nacht hindurch fahren – mal sehen, ob uns das beim Schlafen stört.
Donnerstag, 17.08.2017 Ilulissat / Grönland
Schon gegen 4.15 Uhr werde ich durch Schiffsgeräusche wach. In einigen Tagen bei der nautischen Fragestunde werden wir erfahren, dass die Cara in Ilulissat nicht ankern konnte (auf dem Ankerplatz lag ein Eisberg), sondern mit Maschinenkraft an Ort und Stelle gehalten werden musste. Jetzt dröhnt es, also hole ich meine Ohrenstöpsel (es ist die erste Nacht auf dieser Reise, wo ich sie brauche) und schlafe weiter. Prompt verschlafe ich am Morgen und werde erst durch das Klopfen des Housekeepings wach. Zunächst ärgere ich mich, dass wir so lange geschlafen haben. Nach einem Blick nach draußen (strömender Regen) relativiert sich das aber. Also erst mal zum Frühstück, dann ziehen wir uns Regenzeug an: Regenhosen, hoffentlich wasserdichte Funktionsjacken, ebenfalls hoffentlich wasserfeste Wanderschuhe. Dass ich mir vor der Reise extra noch einen Rucksack mit Regenschutzhülle gekauft habe, erweist sich heute als ziemlich nützlich. Die Temperatur liegt bei 7 Grad, immerhin ist es nicht windig. Schon vor der Reise hatte ich mir einen Plan der Wanderwege am Eisfjord ausgedruckt. Der Ausgangspunkt für die Wanderungen ist zwar im Ort nicht beschildert, aber kaum zu verfehlen, wenn man ungefähr weiß, in welcher Richtung man suchen muss. Vorher kommen wir an vielen Schlittenhunden vorbei. Sie sind erstaunlich leise.
Wir gehen zunächst den blauen Wanderweg. Der Teil über Holzbohlen ist sehr bequem zu gehen, hier ist es allerdings auch sehr voll, weil viele einzelne Wanderer sowie geführte Wanderungen (hier geht es auch zur alten Siedlung Semermiut entlang) unterwegs sind. Vom Anleger der Tenderboote unterhalb des Hotels Arctic bis zum Ausgangspunkt der Wanderung sind wir übrigens 45 Minuten gelaufen. Der Teil über die Holzbohlen ist dann schnell bewältigt, die erste tolle Aussicht auf den Eisfjord hat man schon nach wenigen Minuten. Ab dem Ende des Holzbohlenweges, der ca.1,5 km lang ist, wird es komplizierter. Jetzt gibt es keinen festen Weg mehr, sondern man folgt den blauen Markierungen im Gelände, das aus Steinen und heute bei dem Dauerregen sehr matschigen Trampelpfaden besteht. Hier sind jetzt kaum noch Leute unterwegs. Die Kletterei ist aber auch nicht so ganz ohne. Mein Sohn amüsiert sich wieder glänzend über mein langsames Tempo – wie schön, wenn das Kind Freude am Wandern hat. Für die gesamte Wanderung (blauer Weg bis Holms Bakke, von dort aus über den roten Weg zurück zum Ausgangspunkt der Wanderwege) haben wir ca. 1,5 Stunden gebraucht. Bei gutem Wetter hätte man vermutlich noch mehr Zeit mit dem Genießen der Aussicht verbracht.
Inzwischen sind wir trotz Regenkleidung so klitschnass, dass wir nur noch zurück zum Schiff wollen. Auf eine Ortsbesichtigung von llulissat verzichten wir deshalb. Am Anleger der Tenderboote steht schon eine lange Schlange Gäste, denen es ebenso geht. Die Mitarbeiter von AIDA teilen mit, dass es bisher mit dem Tendern so lange gedauert habe, weil sich Tenderboote und Boote für die Ausflüge zu den Eisbergen einen Anleger teilen müssen. Jetzt wären aber alle Rundfahrten unterwegs und es soll schneller gehen. Trotzdem geht es nicht weiter. Inzwischen stehen über 100 Leute schon seit mehr als einer halben Stunde in strömendem Regen, weil ein grönländisches Wassertaxi auf zwei Passagiere wartet und den Anleger nicht räumt. Es dauert gefühlt ewig, bis die Mitarbeiter von AIDA den Kapitän des Wassertaxis davon überzeugen können, im Hafen eine Warterunde zu drehen, damit zwischenzeitlich ein oder zwei Tenderboote anlegen und die nassen, durch die Warterei inzwischen auch stark frierenden Menschen zurück auf die Cara transportieren können.
Jetzt bloß raus aus den nassen Klamotten und erst einmal eine schöne Tasse Tee. Mein Sohn muss extrem durchgefroren sein, denn zum ersten Mal auf dieser Reise trinkt er freiwillig eine Tasse Tee. Danach gehe ich zum Aufwärmen in die Sauna. Dort treffe ich eine Dame, der es in puncto Ausflüge noch schlimmer ergangen ist als uns. Sie war für den Bootsausflug zu den Eisbergen auf die Zeit 1.30 – 3.30 Uhr gebucht worden. Treffpunkt war 1.15 Uhr (wohlgemerkt alles in der Nacht, nicht mittags). Die Gruppe musste bis 2 Uhr warten, dann wurde der Ausflug aus Sicherheitsgründen abgesagt. Es war stockfinster (zu unserer Reisezeit war die Mitternachtssonne längst vorbei) und es herrschte stärkerer Wellengang. Ihr Rundflug heute mittag war dann ebenfalls aufgrund des Wetters ausgefallen. Die Absage erfolgte so spät, dass auch keine Zeit mehr für eine individuelle Wanderung zum Eisfjord blieb. Von Ilulissat hatte sie also praktisch nichts gesehen.
Erst später erfahren wir, dass wir zwei Stunden später ablegen werden, weil noch Ausflügler fehlen. Hätte man da nicht unseren ausgefallenen Ausflug dranhängen können? Wir essen zum Abendessen nur eine Kleinigkeit (Thema: Highlights der Schären), dann gehen wir auf die Rundumpromenade, um die Eisberge wenigstens vom Schiff aus noch einmal zu bewundern. Sie sind einfach immer wieder schön.
Um 21 Uhr gehen wir dann ins Theater zur zweiten Show des Comedians Carsten Höfer.Das war wieder sehr lustig. Als wir gegen 22 Uhr aus dem Theater kommen, ist gerade die Zeit des Sonnenuntergangs. Draußen sind Eisberge zu sehen, die wunderschön im Licht der untergehenden Sonne leuchten. Weit entfernt sieht man auch buntes Licht – ein Regenbogen? Wir rennen zur Kabine, um die Fotoapparate zu holen. Es ist wunderschön, draußen aber auch eiskalt und unsere normalen Jacken sind noch zu nass, um sie anzuziehen. So hätte ich mir den nächtlichen Bootsausflug zu den Eisbergen gewünscht – jetzt bekommen wir den Anblick vom Schiff aus, wenn auch nicht so nah, wie es mit den Ausflugsbooten gewesen wäre. Mal wieder wird es spät, bis wir ins Bett kommen.
Freitag, 18.08.2017 Seetag
Wir schlafen bis Viertel vor zehn. Offensichtlich sind wir nicht die einzigen Langschläfer – beim Spätaufsteherfrühstück ist es brechend voll. Noch sieht man draußen etwas, doch bis zum Mittagesse haben wir wieder dicke Nebelsuppe und der Seegang nimmt zu. Nachmittags schreiben wir die letzten Postkarten, nach der Kaffeezeit stehen bei mir Sport und Sauna auf dem Programm. Mein Sohn vergnügt sich mit den Kinderfilmen (normalen Fernsehempfang haben wir rund um Grönland nicht, aber auf einem Kanal werden vier verschiedene, für Kinder geeignete Kinofilme gezeigt, leider die gesamte Reise über täglich dieselben Filme). Ich lese heute das erste meiner drei mitgebrachten Bücher aus.
Nach dem Abendessen (Thema: Philippinen) schauen wir uns im Theater den zweiten Teil des Reisefilms an. Auf die anschließende Show einer Kabarettistin verzichten wir, weil wir morgen in Qaqortoq etwas eher aus den Federn kommen wollen als die letzten Tage. Vorsichtshalber bestelle ich an der Rezeption einen Weckruf für 8 Uhr.
Noch kurz zum Showprogramm: aufgrund technischer Probleme können momentan keine Musicals o.ä. gezeigt werden. Repariert werden kann das erst in Reykjavik.
Samstag, 19.08.2017 Qaqortoq / Grönland
Kurz vor acht werde ich durch Schiffsgeräusche wach. Der Kapitän hat schon Recht, an Hafentagen braucht man bei der Cara eigentlich keinen Weckruf. Geplant war eine Liegezeit (auf Reede) von 8 – 14 Uhr. Da wir mit Verspätung ankommen (die ersten Tenderboote fahren um 9.10 Uhr), wird die Liegezeit bis 15 Uhr verlängert. Wir haben schönes Wetter, für Grönland ist es sogar recht warm (ca. 11 Grad im Schatten, in der Sonne werde ich heute Mittag sogar ein Thermometer finden, das 20 Grad anzeigt). Mein Sohn trödelt heute mal wieder ohne Ende, obwohl er wach ist, erscheint er erst 40 Minuten nach mir beim Frühstück. Kann mir mal jemand verraten, was ein 13jähriger Junge, der sich noch nicht mal rasieren muss, morgens 40 Minuten im Bad macht? Gegen 10.45 Uhr sind wir endlich startklar und wollen Tendertickets holen. Die gibt es nicht mehr, man sagt uns, dass gleich das freie Tendern ohne Tickets beginnt. „Gleich“ stellt sich als „in 1,5 Stunden“ heraus. Es ist wirklich ärgerlich, dass bei dem schönen Wetter und der kurzen Liegezeit das Tendern heute so endlos dauert. Es ist schon halb eins mittags, bis wir überhaupt an Land sind.
Qaqortoq kommt meinen Vorstellungen von einer grönländischen Kleinstadt am nächsten. Während ich in Nuuk die alten, heruntergekommenen Plattenbauten entsetzlich und die modernen Neubauten nicht unbedingt typisch grönländisch fand und wir in Ilulissat aufgrund des Regens kaum etwas vom Ort gesehen, aber auf dem Weg zum Startpunkt der Wanderung mehrmals fast von Autos oder großen Baufahrzeugen angefahren worden waren (dort herrschte ein schlimmerer Verkehr als in meiner deutschen Heimatstadt zur Rush hour), scheint mir Qaqortoq etwas beschaulicher und vor allem von den Wohnhäusern einheitlich fröhlich bunt zu sein. Nicht alles sind Einfamilienhäuser, aber es gibt nicht so riesige Plattenbauten wie in Nuuk. Das Wetter tut ein Übriges, dass es uns gefällt. Allerdings haben wir hier zum ersten Mal in Grönland ein Mückenproblem. Ich habe Mückenschutz Marke Eigenbau dabei (man setze ein BaseCap auf, darüber dann ein Fenstergitternetz (Gaze) aus der Drogerie und befestige das Ganze mit einem Halstuch oder Schal), der mir schon in Island am Myvatn gute Dienste geleistet hat. Das hilft prima. Mein Sohn ist allerdings zu eitel dafür.
Wir bummeln durch den Ort und genießen die Ausblicke. Ich finde es faszinierend, wie viele Wildblumen in Grönland blühen. Im Fjord treiben Eisberge – kleiner als in Ilulissat, aber trotzdem schön.
Gegen 14.15 Uhr tendern wir zurück. Jetzt verteilen sich die Leute besser, es geht recht schnell. Im Calypso Restaurant wurde die im Tagesprogramm für das Mittagessen angegebene Zeit offensichtlich verlängern – wir bekommen noch das normale Mittagessen und nicht nur Pizza von der Pizzastation.
Beim Ablegen genießen wir eine schöne Fahrt durch den Fjord. Durch den Fahrtwind wird es aber sehr schnell bitterkalt. Bei mir stehen noch Sport und Sauna auf dem Programm. Mein Sohn geht zur Loriot-Lesung der Schauspielerin Anja Herbertz ins Theater. Thema des heutigen Abendessens ist „rund um den Lachs“.
Zwischendurch muss ich immer wieder kurz nach draußen, denn es ist wunderschön. Zu einer Seite Eisberge im Licht der untergehenden Sonne mitten im Meer. Zur anderen Seite die Küste Grönlands, die ein bisschen so wirkt wie die Lofoten – nur mit Eisbergen davor.
Beim Abendessen sehe ich endlich kurz „meinen“ ersten Wal (ich hatte schon das Gefühl, der einzige Mensch auf dem Schiff zu sein, der bisher keinen Wal gesehen hatte). Auch abends im Sonnenuntergang sehe ich mehrfach etwas auftauchen, was ein kleiner Wal oder Delfin sein könnte – nur fotografieren kann ich es leider nicht.
Im Theater gibt es heute einen Film „Der Mann ohne Schatten“. Es wird wirklich Zeit, dass wir nach Reykjavik kommen, damit die Technik im Theater repariert werden kann. Abwechselnd einzelne Comedians oder Filme sind als Abendprogramm auf Dauer nicht sehr abwechslungsreich.
Heute Nacht wird uns eine Stunde „geklaut“ – die vier Stunden,die wir von Deutschland nach Grönland an Zeit gewonnen haben, müssen wir in den nächsten Tagen so nach und nach wieder abgeben.
Sonntag, 20.08.2017 Seetag
Eine Stunde verlorene Zeit führt dazu, dass es heute um 10 Uhr beim Frühstück rappelvoll ist. Das Meer sieht recht ruhig aus, doch es schaukelt spürbar. Mein Tag verläuft nach dem inzwischen üblichen Seetagmuster: Frühstück, Sportkurs, Vortrag des Lektors, Mittagessen. Um uns ein bisschen draußen zu bewegen, laufen wir fünf Runden über die Rundumpromenade (eine Runde hat 375m). Jetzt haben wir uns unseren Kuchen verdient. Nach jetzt zwei Wochen Kreuzfahrt habe ich ein Gefühl, das ich noch nie auf einer Kreuzfahrt hatte (allerdings ging auch noch keine meiner Kreuzfahrten länger als 15 Nächte): das Gefühl, dass ich so langsam genug habe. Wir haben tolle Landschaften gesehen, wir hatten aber auch schon viele Seetage, ich bin ausgeschlafen und erholt, ich habe alles, was ich sonst an Seetagen gerne mache und wozu ich im Alltag viel zu selten Zeit finde (Sport, Sauna, Vorträge hören, mal in Ruhe lesen) oft genug gemacht, ich habe genug leckeres Essen rund um die Uhr genossen. Vor diesem Urlaub habe ich gedacht, dass ich später gerne mal eine Weltreise mit dem Schiff machen würde. Heute würde ich sagen: „Nein, das muss nicht sein, lieber zwei Wochen Schiff und dann noch evtl. ein vorheriger oder anschließender Landurlaub.“
Um 16 Uhr ist im Theater nautische Fragestunde. Es wurde angekündigt, dass die Passagiere gerne auch ihre Fragen und ihren Unmut zu den Landgängen in Grönland, insbesondere den ausgefallenen Ausflügen in Ilulissat äußern können. Hier gibt es offensichtlich viele, die diese Gelegenheit nutzen möchten – das Theater ist rappelvoll. Im Mittelpunkt der Kritik stehen insbesondere die vielen ausgefallenen Bootsausflüge zu den Eisbergen in Ilulissat sowie die Buchungssituation für diese Ausflüge (geringe Kapazitäten, vor der Reise schon alles ausgebucht). Der Kapitän Lars Krüger, der mit 38 Jahren jünger ist als die meisten seiner Passagiere, macht seine Sache unter diesen Umständen sehr gut. Er hat sich hervorragend vorbereitet (inklusive Fotos / Videos, die zur Veranschaulichung bestimmter Sachverhalte gezeigt werden). Einige Dinge kann er klären (z.B. die geringe Zahl von Anbietern und Booten für die Bootstouren, so dass z.B. ein kaputtes Boot nicht kurzfristig ersetzt werden konnte; versicherungsrechtliche Gründe, die es unmöglich machen, andere als die vorher zertifizierten Ausflugsanbieter auszuwählen oder den Passagieren auch nur als Alternative zu empfehlen etc.). Unser „persönliches Pech“ mit der Umbuchung auf die frühere und damit ausgefallene Ausflugszeit erklärt das aber nicht. Neben ausführlicher Kritik an der Ausflugssituation kamen natürlich auch nautische Themen zu Sprache. So erfuhren wir, dass wir in Ilulissat nicht ankern konnten, sondern das Schiff mit Maschinenkraft an Ort und Stelle gehalten werden musste (deshalb war es vermutlich nachts von den Maschinen her so laut). Auch wurde erläutert, dass in Gebieten, wo mit Eisbergen zu rechnen ist, die Stabilisatorennicht genutzt werden können (ist ja auch logisch, ich hatte nur nie darüber nachgedacht – vermutlich war es deshalb oft so schaukelig, obwohl das Meer gar nicht so unruhig aussah). Insgesamt dauerte die nautische Fragestunde 1,5 Stunden.
Dann noch Sauna, Abendessen (Spezialitäten aus Australien – sehr lecker!), noch ein paar Runden über die Rundumpromenade, dann ist Schlafenszeit. Im Theater läuft schon wieder Kabarett, darauf haben wir keine Lust.